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 Der "Mindener Stichling"

Der nationale Kabarett-Preis der Stadt Minden wird seit 1994 alle zwei Jahre verliehen.

Die nächste Preisverleihung ist im November 2020 im Stadttheater Minden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 Slammer und Duo mit dem Kabarettpreis „Mindener Stichling“ ausgezeichnet

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Auftakt der Stichlinge

 

 

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Preisvergabe
 

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Mindener Stichling: „Gewichtige“ Auszeichnung zum 13. Mal vergeben
Kabarett-Förderpreis 2018 der Stadt Minden geht an Nektarios Vlachopoulos und „Simon & Jan“ – Dreistündige Gala im Stadttheater Minden.

Gut 2700 Gramm bringt er auf die Waage, ist aus purer Bronze und heißt einfach nur „Stichling“. Er ist ein „gewichtiger Preis“ – im doppelten Sinn. Denn der Förderpreis der Stadt Minden hat Gewicht im deutschsprachigen Kabarett. „Damit meine ich, dass der Stichling sehr bekannt und echt begehrt ist. Ja wirklich!“ Mit diesen launigen Worten stellte Bürgermeister Michael Jäcke zum Auftakt der dreistündigen Gala im Stadttheater die Auszeichnung vor, die alle zwei Jahre an einen Solisten/eine Solistin und eine Gruppe vergeben wird.

Je einen Stichling – benannt nach dem ältesten Amateurkabarett Deutschlands - durften am 17. November der Wortakrobat Nektarios Vlachopoulos sowie das Duo „Simon & Jan“ in Empfang nehmen. Dazu gab es das Preisgeld von je 4.000 Euro, welches erneut mit Unterstützung der Unternehmensgruppe Melitta und der Sparkasse Minden-Lübbecke bereitgestellt werden konnte. „Wenn uns hier die Sponsoren nicht seit vielen Jahren unter die Arme greifen würden, dann gäbe es diesen Preis wohl nicht mehr“, machte Jäcke in seiner Begrüßung deutlich und bedankte sich für das Engagement.

Bereits zum 13. Mal wurden „würdige Preisträger“ gefunden, hat die Jury einen guten Griff getan. Das Publikum belohnte die rund 30-minütigen Auftritte von Nektarios Vlachopoulos dem Oldenburger Duo „Simon & Jan“ mit langanhaltendem Applaus. Zuvor konnten die „Mindener Stichlinge“ mit zwei Stücken aus ihrem neuen Programm (ab Ende Januar zu sehen) begeistern. Die Moderation der Gala hatte Simone Solga übernommen. Die selbsternannte Kanzler*in-Souffleuse hat 2018 den renommierten Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte „Kabarett“ in Mainz erhalten. Sie nahm kein Blatt vor den Mund, setzte politische Spitzen und suchte oft den Dialog mit der ersten Reihe.
Mit witzigen Berichten aus seinem eigenen Leben als früherer Lehrer, Persönlichem, wie dem, dass er immer Schwierigkeiten hatte, Entscheidungen zu treffen, einem Poetry-Slam-Text, einem Multikulti-Witz und einem so genannten Vokalgedicht riss Nektarios Vlachopoulos das Publikum in seinen Bann. Ihm gelang es, in diesem Text lange Sätze mit nur einem Vokal zu bilden. Hauptakteure seiner Geschichte waren Anna, Elke, Iris, Otto und Ulf. Später stoßen noch Paul und Klaus dazu. Alles endet sehr mörderisch. Große Kunst!

Der ehemalige Deutschlehrer mit griechischen Wurzeln hat seinem ersten Soloprogramm den Titel „Niemand weiß, wie man mich schreibt!“ gegeben. Er zeigte sich darin als ein Artikulations-Akrobat, „der schnell jeden Augenblick überraschen kann, dabei absurd, stilistisch variantenreich, intelligent und komisch ist. Er ist ein Sprachkünstler mit Haltung in diesen unübersichtlichen Zeiten, einer, der was zu sagen hat. Seinen Namen wird man sicher nicht vergessen, auch wenn man nicht immer genau weiß, wie man ihn schreibt“, so die Jury in ihrer Begründung.

Über „Simon & Jan“ – Simon Eickhoff und Jan Traphan - schreibt die Jury, dass „beide es fertig bringen, dem Publikum mit perfektem zweistimmigem Gesang und freundlichen Melodien, die sie gekonnt auf der Gitarre intonieren, freche, sarkastische, zynische und böse Texte buchstäblich um die Ohren zu hauen. Das stimmt abwechselnd heiter und nachdenklich. Gott und die weite Welt können Thema sein, aber auch die kleinen Dinge in ihrer Umgebung. Meist singen sie, aber auch das wenige, das sie zwischen ihren Liedern sagen, erzielt nachdenkliche Heiterkeit. Und immer nehmen sie ihr Publikum mit auf ihre Reise.“

Das taten sie dann auch auf der Bühne des Stadttheaters – mit ihren wohlgestimmten Gitarren und einem Xylophon. Mit komischen Texten wie „Mein Leben ist ein Ponyhof, doch leider find ich Ponys doof“, mit zynischen Bemerkungen in der Anmoderation der selbstkomponierten Lieder und dabei sehr harmonischem Gesang begeisterten auch diese beiden Künstler aus Oldenburg das Mindener Publikum.

„Wirklich tolle Preisträger“, resümierte Bürgermeister Michael Jäcke nach der Gala. Erneut habe die Jury ein gutes Gespür in der Auswahl der Preisträger bewiesen. Das Gremium aus unabhängigen Medienfachleuten und Kabarett-Expert*innen benennt alle zwei Jahre für den Preis Kabarettistinnen und Kabarettisten aus dem deutschsprachigen Raum, „deren inhaltliche Arbeit neuartig und bereichernd für das Genre ist“. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf politisch-literarisches Kabarett gelegt.

Den Kabarettförderpreis „Mindener Stichling“ haben seit 1994 schon viele Künstler*innen erhalten, die später auch TV-Berühmtheit erlangten, so Ina Müller (mit Edda Schnittgard als Duo „Queen Bee“), Uwe Steimle („Steimles Welt“, MDR, auch als Polizeiruf-Kommissar bekannt), Volker Pispers, Christoph Sieber („Mann, Sieber“), Lars Reichow, Luise Kinseher, Lioba Albus sowie Claus von Wagner („Die Anstalt“) zusammen mit Mathias Tretter und Philipp Weber aus „Erstes Deutsches Zwangsensemble“.

 

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